Was ist eine Rechtsschutzversicherung?
Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für rechtliche Auseinandersetzungen. Sie zahlt Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten, wenn Sie Ihre Rechte durchsetzen müssen.
In Deutschland können rechtliche Streitigkeiten schnell teuer werden. Schon ein einfacher Zivilprozess kann mehrere tausend Euro kosten. Eine Rechtsschutzversicherung schützt Sie vor diesen finanziellen Risiken und ermöglicht es Ihnen, Ihre Rechte ohne Kostenrisiko durchzusetzen.
- Anwaltskosten
- Gerichtskosten
- Sachverständigenkosten
- Zeugengelder
- Vorsätzliche Straftaten
- Steuer- und Ordnungswidrigkeiten
- Kapitalanlagegeschäfte
- Familienrecht (teilweise)
Wann lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung?
Eine Rechtsschutzversicherung lohnt sich für fast jeden, da rechtliche Streitigkeiten unvorhersehbar sind und hohe Kosten verursachen können. Besonders empfehlenswert ist sie für:
Streitigkeiten um Mieterhöhungen, Nebenkostenabrechnungen oder Kautionsrückzahlungen
Verkehrsunfälle, Bußgeldverfahren, Führerscheinentzug oder Probleme beim Autokauf
Kündigungsschutz, Lohnstreitigkeiten, Arbeitszeugnis oder Mobbing am Arbeitsplatz
Schließen Sie eine Rechtsschutzversicherung ab, bevor Sie sie brauchen. Die meisten Versicherungen haben Wartezeiten von 3 Monaten, bei Arbeitsrecht sogar 6 Monate.
Arten von Rechtsschutzversicherungen
ab 89€ pro Jahr
Deckt alle privaten Rechtsstreitigkeiten ab, wie Nachbarschaftsstreit, Vertragsstreitigkeiten oder Schadensersatzansprüche.
- • Vertragsrecht
- • Schadensersatzrecht
- • Nachbarschaftsrecht
- • Wohnungsrecht (als Mieter)
- • Verkehrsrecht
- • Arbeitsrecht
- • Steuerrecht
- • Strafrecht
ab 65€ pro Jahr
BeliebtSpeziell für Autofahrer: Schutz bei Verkehrsunfällen, Bußgeldverfahren und allen verkehrsrechtlichen Streitigkeiten. Einen Überblick über aktuelle Strafen finden Sie in unserem Bußgeldkatalog 2026.
- • Verkehrsunfälle
- • Bußgeldverfahren
- • Führerscheinentzug
- • Kfz-Kauf & Reparaturen
- • Vielfahrer
- • Berufskraftfahrer
- • Fahranfänger
- • Motorradfahrer
ab 120€ pro Jahr
Schutz bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten wie Kündigungen, Lohnstreitigkeiten oder Mobbing am Arbeitsplatz.
Wichtig: 6 Monate Wartezeit bei Arbeitsrechtsschutz!
Vergleichen Sie kostenlos über 50 Tarife und sparen Sie bis zu 40%
Rechtsschutzversicherung berechnenLeistungen und Deckungssumme
Die Deckungssumme bestimmt, bis zu welcher Höhe die Versicherung die Kosten übernimmt. Empfehlenswert sind mindestens 300.000€, besser 500.000€ oder unbegrenzt. Vergleichen Sie verschiedene Tarife, um den optimalen Schutz zum besten Preis zu finden.
2.000 - 5.000€
3.000 - 8.000€
10.000 - 50.000€
20.000 - 100.000€+
Kosten und Selbstbeteiligung
Die Kosten einer Rechtsschutzversicherung hängen von verschiedenen Faktoren ab:
Je mehr Rechtsbereiche abgedeckt sind, desto höher der Beitrag
Höhere Deckungssummen kosten mehr, bieten aber besseren Schutz
Mit Selbstbeteiligung (150-500€) sinkt der Jahresbeitrag deutlich
Worauf Sie beim Tarifvergleich achten sollten
Rechtsschutz-Tarife unterscheiden sich weniger im Preis als im Kleingedruckten. Diese sechs Punkte entscheiden, ob die Police im Ernstfall trägt:
- Deckungssumme: mindestens 300.000 € je Rechtsschutzfall, besser unbegrenzt für Europa. Ein Arbeitsgerichtsverfahren über zwei Instanzen oder ein Verkehrsunfall mit Personenschaden kann fünfstellige Kosten verursachen.
- Wartezeit: Standard sind 3 Monate. Für Schadenersatz und Verkehrs-Ordnungswidrigkeiten gilt bei den meisten Anbietern keine Wartezeit. Wer den Anbieter wechselt, sollte auf die Anrechnung der Vorversicherungszeit achten, sonst beginnt die Wartezeit von vorn.
- Selbstbeteiligung: 150 bis 300 € senken den Jahresbeitrag spürbar. Einige Tarife erlassen die Selbstbeteiligung, wenn Sie einen Anwalt aus dem Partnernetzwerk beauftragen oder zuerst die telefonische Erstberatung nutzen.
- Mediation und Erstberatung: Gute Tarife zahlen eine außergerichtliche Mediation und eine anwaltliche Erstberatung ohne Anrechnung auf die Selbstbeteiligung. Viele Konflikte enden dort, bevor sie teuer werden.
- Geltungsbereich: Europa ist Standard, weltweit oft nur für Reisen bis zu einer bestimmten Dauer. Wer länger im Ausland lebt oder arbeitet, braucht eine ausdrückliche Erweiterung.
- Vorsorge-Bausteine: Internet- und Datenschutzrechtsschutz (etwa bei Identitätsdiebstahl oder Abmahnungen), Beratungsrechtsschutz für Familien- und Erbrecht sowie Opferschutz sind in Basistarifen meist nicht enthalten.
Nach § 127 VVG dürfen Sie den Anwalt selbst wählen. Empfehlungen des Versicherers sind erlaubt, eine Pflicht zum Netzwerkanwalt nicht. Tarife, die die Selbstbeteiligung bei Netzwerkanwälten erlassen, sind ein Anreiz, kein Zwang.
Wartezeit, Vorvertraglichkeit und Ausschlüsse im Detail
Der häufigste Grund für eine abgelehnte Deckung ist nicht die Wartezeit, sondern die Vorvertraglichkeit: Versichert sind nur Fälle, deren Ursache nach Vertragsbeginn liegt. Maßgeblich ist der erste Verstoß gegen Rechtspflichten, nicht der Zeitpunkt, an dem Sie den Anwalt einschalten. Wer bereits eine Abmahnung, eine Kündigungsandrohung oder ein Anhörungsschreiben erhalten hat, kann den Fall nicht mehr nachversichern.
Die Wartezeit von in der Regel 3 Monaten gilt in den Bereichen, in denen sich Konflikte lange anbahnen: Arbeitsrecht, Mietrecht, Vertragsrecht und Sozialrecht. Keine Wartezeit haben üblicherweise Schadenersatzansprüche, Verkehrs-Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht sowie die Erstberatung.
Generell ausgeschlossen sind bei nahezu allen Anbietern:
- vorsätzlich begangene Straftaten (bei rechtskräftiger Verurteilung wegen Vorsatz sind gezahlte Kosten zurückzuerstatten),
- Streitigkeiten rund um Bau, Planung und Erwerb von Grundstücken oder Gebäuden,
- Kapitalanlage- und Spekulationsgeschäfte (in vielen Tarifen, teils mit Ausnahmen für kleinere Streitwerte),
- Spiel- und Wettverträge sowie Streitigkeiten mit dem eigenen Rechtsschutzversicherer,
- Familien- und Erbrecht über die Erstberatung hinaus, sofern kein Zusatzbaustein vereinbart ist.
Verweigert der Versicherer die Deckung mit dem Argument, die Sache habe keine hinreichende Erfolgsaussicht oder sei mutwillig, muss er Ihnen ein Gutachterverfahren oder ein vergleichbares Verfahren anbieten (§ 128 VVG). In der Praxis ist das meist der Stichentscheid: Ihr Anwalt begründet die Erfolgsaussicht, und der Versicherer ist an diese Einschätzung gebunden, sofern sie nicht offensichtlich von der Sach- und Rechtslage abweicht.
Fünf Fehler, die Versicherte teuer zu stehen kommen
- Zu spät abschließen. Wer erst im Konflikt eine Police sucht, bekommt für diesen Fall keine Deckung. Rechtsschutz ist Vorsorge, keine Reparatur.
- Wechsel mit Lücke. Beim Anbieterwechsel den neuen Vertrag nahtlos an das Ende des alten anschließen und prüfen, ob die Vorversicherungszeit auf die Wartezeit angerechnet wird.
- Deckungssumme aus dem Altvertrag übernehmen. Policen aus den 2000er-Jahren enthalten oft 50.000 oder 100.000 € Deckung. Das reicht für ein Verfahren über mehrere Instanzen nicht mehr.
- Doppelte Bausteine. Verkehrsrechtsschutz kann bereits über Automobilclub-Mitgliedschaften oder Berufsverbände teilweise abgedeckt sein. Prüfen Sie, was Sie schon haben, bevor Sie es erneut versichern.
- Hotline ignorieren. Die telefonische Erstberatung ist bei vielen Tarifen kostenlos und ohne Selbstbeteiligung. Sie klärt in wenigen Minuten, ob ein Fall überhaupt Aussicht auf Erfolg hat, und vermeidet unnötige Anwaltskosten.
Ein häufig übersehener Punkt: Nach einem Leistungsfall haben beide Seiten ein Kündigungsrecht. Wer die Versicherung in kurzer Zeit mehrfach in Anspruch nimmt, muss mit einer Kündigung durch den Versicherer rechnen und hat es dann schwerer, einen neuen Anbieter zu finden. Kleine Streitwerte lohnen den Leistungsfall deshalb oft nicht.
So gehen Sie im Schadensfall vor
Melden Sie den Rechtsstreit unverzüglich bei Ihrer Versicherung. Viele Versicherer haben 24/7-Hotlines.
Beauftragen Sie erst nach der Deckungszusage einen Anwalt. Vorher entstehende Kosten werden meist nicht übernommen.
Sie können Ihren Anwalt frei wählen oder einen aus dem Partnernetzwerk der Versicherung nutzen.